ARCHITEKTURBÜRO FÄSSLER + PARTNER AG, RESEDASTRASSE 25, 8008 ZÜRICH, TEL 043/499 10 99, FAX 043/499 10 88
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Aussen-/Innensanierung Fraumünster, Münsterhof 2, Zürich
In Kürze
Das Fraumünster in Zürich

Architekt der Sanierung 1911-12
Gustav Gull (1858-1942) führte zu Beginn des 20 Jh. die Gesamtsanierung des Fraumünsters durch und gab mit den neuen, neugotischen Innenausbauten dem Münster ein neues Gesicht.
Gustav Gull, gebürtig aus Zürich-Altstetten stammte in 6. Generation aus der Baumeister-Dynastie Gull. Nach seinem Studium am Polytechnikum Zürich und diversen Auslandaufenthalten wurde er 1895 Stadtbaumeister von Zürich, 1900 Professor für Baukunst am Polytechnikum und 1905 erhielt er den Ehrendoktor für sein bauliches Werk.
Wesentliche Bauten von Gustav Gull prägen heute noch das Stadtbild von Zürich: das Schweiz. Landesmuseum, die Fraumünsterpost, das Stadthaus mit dem Fraumünster-Kreuzgang, der Turm der Predigerkirche, die städtischen Amtshäuser, die Urania-Sternwarte, die Erweiterung der ETH-Z
Nicht realisiert wurde sein riesiges, „imaginäres Projekt“ eines neuen Quartiers für die Stadtverwaltung an der Schipfe in Zürich.
Bestand
Die Fraumünster-Abtei wurde 853 von Ludwig dem Deutschen gestiftet. Beinahe gleichzeitig wurde das Männerkloster mit dem Grossmünster (800) und die Kirche St. Peter als Pfarrkirche (857) erstellt. Kurz nach der Münster-Weihe wurden die Gebeine der Stadtheiligen Felix und Regula ins Fraumünster verlegt. Die Pilgerachse zur Verehrung von Felix und Regula führte über die damals hölzerne Brücke von der Wasserkirche (Ort der Enthauptung) über das Grossmünster (Ort der Grablegung) zum Fraumünster (Ort der Reliquienverehrung).
Das Fraumünster, geführt von adligen Stiftsdamen, erlebte einen ungeahnten Aufschwung. Die Äbtissin, genannt „Frau von Zürich“, wurde in den Rang einer Reichsfürstin erhoben, mit Immunität, Zollrecht, Münzrecht und der Kleinen Gerichtsbarkeit.
In mehreren Etappen wurde die kleine romanische Basilika zum gotischen Münster mit Doppelturmkonzept erweitert. 1524 wurde die Stadt Zürich reformiert, die Abtei samt dem Münster und den vielen Ländereien an den Staat übergeben, die Altäre und katholisches Schmuckwerk vernichtet und die Reliquien der Stadtheiligen nach Andermatt transloziert. Eine wesentliche Umgestaltung bedeutete der Abbruch des Südturmes bis unter das Dach des Querschiffes und die barocke Erhöhung des Nordturmes von 1732.
1899 Wurde die Abteil samt dem Kreuzgang geschleift. Der Stadtbaumeister und Architekt Gustav Gull (1858-1942) baute an Stelle der Abtei das neue, heutige Stadthaus für das 1893 umgesetzte „Gross-Zürich“. Das Münster geht 1910 an die Kirchgemeinde und wurde, ebenfalls unter Gustav Gull in neugotischem Stil neu ausgestattet und mit neuer Westfassade zur Poststrasse hin geöffnet.
1963 wurde vom damaligen Präsidenten der Kirchgemeinde und Architekten Robert Fässler (1912-1976) der Chor von Sängerempore und Unterweisungszimmer befreit und damit die Grundlage zu den 1970 erstellten Chagall-Fenstern gelegt. Das Fraumünster wurde zur touristischen Attraktion ersten Ranges.
Aussensanierung 2004
Herabfallende Steinteile und eine Kontrolle der Fassaden mit einer Hebebühne zeigt den für Passanten gefährlichen Zustand der Natursteinfassaden. Es werden sofort Schutzgerüste gegen herabfallende Steine erstellt und lose Schalen der Sandsteinquader abgespitzt. Die Planung der Aussensanierung wird sofort an die Hand genommen, die bereits in Arbeit befindliche Planung der Innensanierung gestoppt.
Im Januar 2004 werden Turm und Schiff eingerüstet. Die Aussicht vom Turmgerüst ist so fantastisch, dass Architekt Fässler gesamthaft ca. 700 Personen auf das Gerüst führt und sie an der Panorama-Sicht teilhaben lässt.
Nicht ganz unproblematisch war der Umgang mit den geschützten Bewohnern des Turmes: die Alpensegler nisten hinter den Zifferblättern. Mit Zifferblatt-Attrappen und der Anpassung des Zeitplans der Sanierung wurde den Nistgewohnheiten der geschützten Vögel Rechnung getragen.
Das Konzept der Steinsanierung war: Ersatz von unprofilierten Werkstücken in Naturstein (Sandstein), Substanz schonende Aufmodellierungen von Profilen und Ornamentik. Ziffern und Zeiger der Turmuhr wurden neu vergoldet, der Turm mit vorbewittertem Blech neu eingedeckt, am Schiff die Maschinenziegel durch Handziegel ersetzt.
Innensanierung 2006
Das Jahr 2005 wird für eingehende Untersuchungen durch Restauratoren an Wänden und Decken, aber auch für Klimamessungen genutzt. In enger Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege des Kt. Zürich (Peter Baumgartner, Giovanni Menghini) wird das Sanierungskonzept zusammen gestellt. Das Ziel ist, Originalsubstanz zu erhalten und den für die Innenausbauten vorherrschenden Baustil von Gustav Gull zu achten, wenn möglich zu stärken.
Die Gull-Leuchten, im Dachraum aufbewahrt, werden restauriert, fehlende Teile rekonstruiert und schliesslich mit neuen Leuchtmitteln bestückt. Sie geben dem Münster ein feierliches Gepräge. Die Quadersteine an den Obergaden-Wänden waren zur Gull-Zeit in Grautönen lasiert, die Fugen hell gestrichen. Hier werden im Sinne der Originalsubstanz lediglich Retuschen vorgenommen.
Anstelle der früheren Elektro-Heizkörper unter den Bänken wird durch das EWZ-Contracting ein Fernwärmenetz zur Wärmepumpe Limmatwasser erstellt und Wasser geführte Radiatoren unter den Bänken montiert. Die gesamte Heizung mit verschiedensten Heizkreisen wird über eine computerisierte Steuerung betrieben.
Die Beschallung des grossen Gottesdienstraumes stellt den Akustiker vor grosse Probleme. Verschiedene Lautsprecher-Anlagen werden an Ort getestet und eine hervorragende Anlage mit modernsten Säulenlautsprechern montiert.
Die um 1970 aufgebrachten Kunststoff gebundenen Anstriche werden im Detail bauphysikalisch untersucht. Längerfristig vermag diese Farbe den hohen Ansprüchen von Raumklima und Natursteinmauerwerk nicht zu genügen. Das Farbmaterial wird in aufwändiger, ökologisch korrekter Arbeit entfernt und durch einen Leimfarb-Anstrich ersetzt. Die gesamte Innensanierung wird in nur 8 Monaten (!) ausgeführt.
Unvergessen bleiben der Baugottesdienst in der voll eingerüsteten Kirche vom 11. Juni 2006 aber auch die feierliche Wiederinbetriebnahme des Münsters an Weihnachten 2006 - für die über 1200 Kirchenbesucher reichten auch die Grosszahl der Notstühle nicht mehr.
Am 19. April 2007 wurde die 5. Glocke in de Giesserei Rüetschi in Aarau gegossen und am 25. Mai von den Kindern des Schulhauses Schanzengraben in einem feierlichen Fest zur Glockenstube aufgezogen. Die Orgel mit über 4000 Pfeifen wurde im Frühjahr revidiert und neu intoniert. In einem grossen Festgottesdienst an Pfingsten 2007 konnten Orgel und Glocke der Gemeinde übergeben und damit die Innensanierung abgeschlossen werden.
Bauherr
Präsident Kirchenpflege und Baukommission: Martin Zollinger,
T(G) 044 292 22 17
Objekt
Baudaten
10./11.Jh.: Bau von Chor und Südturm
13. Jh.: Bau des Nordturmes
14. Jh.: neue Einwölbung und Gotisierung des Schiffes
1524: Reformation, Aufhebung des Stiftes und Übergabe von Kirche und Ländereien an den Staat
1911-12: Sanierung und Neugotisierung durch Gustav Gull
1961-67: Sanierung des Münsters, Restaurierung des Chors durch Robert Fässler
1970: Einbau der Chagall-Fenster
Massnahmen
2006: Innensanierung des Münsters
Arch.-Büro P. Fässler (Projekt und Bauleitung), Projektleiter Hanspeter Bodenmann, dipl. Arch. HTL/SIA
Speziell
Neues Wasser geführtes Heizsystem mit Fernwärme v. Wärmepumpe Limmatwasser (EWZ-Contracting)
Restaurierung/Rekonstruktion der Gull-Leuchten
Baukosten
Innensanierung: Fr. 3.95 Mio.
Orgelsanierung Fr. 0.45 Mio.
Schutz

Fraumünster-Chor mit den Chagall-Fenstern

Die restaurierten und z.T. nachgebauten Gull-Leuchten



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